08.06.2017 - Daniela Bender

Wer will fleißige Handwerker sehn?

Foto: Mattea in Nepal

Ich heiße Mattea, bin Amerikanerin und arbeite seit dem 1. Juli 2016 als Projektmanagerin bei Medtronic. In meiner Freizeit reise ich gerne und das am liebsten mit Rucksack. Vor einigen Monaten unterhielt ich mich mit einer deutschen Kollegin und erfuhr, dass in der deutschen Sprache zwischen „Urlaub“ und „Backpacking“ (also Reisen mit Rucksack) unterschieden wird. Für mich war das bislang immer dasselbe, doch die Bemerkung meiner Kollegin machte mich stutzig. Warum macht man diesen Unterschied? – Ich glaube, es kommt ganz darauf an, wie man für sich Erholung und Erfüllung seiner Freizeit definiert. Für mich war es immer eine erholsame und kostengünstige Möglichkeit, mit dem Rucksack unterwegs zu sein und es war klar, dass auch mein nächster Urlaub eine Backpacking-Tour sein würde.

Ich habe im Hauptfach BWL und VWL und im Nebenfach International Studies in San Diego, Kalifornien studiert. In den ersten Jahren meines Studiums träumte ich immer davon für die UN oder für eine gemeinnützige Organisation zu arbeiten. Je mehr ich reiste, und je häufiger ich mit Menschen ins Gespräch kam, die sich für Freiwilligenarbeit (Disaster Relief) engagierten, desto mehr spürte ich, dass die Leidenschaft zu helfen immer noch in mir brannte. Meine Begeisterung für die Medizintechnik entdeckte ich, als ich in Deutschland und Österreich arbeitete. Während der ersten Einführungstage bei Medtronic lernte ich dann, dass sich Medtronic-Mitarbeiter im sogenannten Project 6, ehrenamtlich engagieren können. Hier fiel mir zum ersten Mal auf, dass ich mich nicht zwischen diesen beiden Optionen entscheiden muss, sondern dass ich beides kombinieren kann: die Arbeit in der Medizintechnik und meinen Urlaub, in dem ich Freiwilligenarbeit für eine gemeinnützige Organisation leisten kann.

Als es dann an die Planung meines nächsten Urlaubs ging, saß ich eines Abends vor dem Rechner und tippte bei Google „Nepal Earthquake Relief“ ein. Ich erinnerte mich noch lebhaft an das Ausmaß der Zerstörung, das die beiden Erdbeben vor 2 Jahren verursacht hatten. Beim ersten Erdbeben am 25. April 2015 mit einer Stärke von 7,8 auf der Richterskala starben 9.000 Menschen, 22.000 wurden verletzt. Zweieinhalb Wochen später, am 12. Mai, kam es zu einem genauso heftigen Nachbeben mit der Stärke 7,3. Dieses Mal verloren 200 Menschen ihr Leben und 2500 wurden verletzt. Viele Gebäude wurden zerstört, darunter auch sehr viele Schulen. Rund 400.000 Kinder hatten nach den Erdbeben keine Möglichkeit mehr, die Schule zu besuchen. Während meiner Suche im Netz, tauchte schnell die amerikanische Organisation „All Hands“ auf, die schnell auf das Beben reagierte und mit Aufräumarbeiten begann. Jetzt, in Phase 2, werden erdbebensichere Schulen gebaut. Die Kinder sollen wieder zur Schule gehen können. Ich füllte sofort das Anmeldeformular aus.

Drei Monate später stieg ich in Kathmandu (Nepal) aus dem Flugzeug und befand mich auf dem Weg nach Thulo Pakhar, einem Dorf, das nur mit einem einheimischen Bus auf einer holprigen Straße kreuz und quer durch eine bergige Region erreicht werden konnte. Das Erdbeben hatte Thulo Pakhar stark verwüstet. Kaum ein Stein stand noch auf dem anderen. Hilfe wird hier dringend benötigt.

Die Tage meines Freiwilligen-Programms begannen morgens um 5 Uhr. Nach einem starken Kaffee und einem schnellen Frühstück ging es zu Fuß zum Bus, der um 6:45 Uhr zu den Baustellen in Chamuna fuhr. Nach einer halben Stunde Busfahrt stiegen wir aus und liefen erneut eine Viertelstunde, dieses Mal bergab.

Foto: Arbeiten auf der Baustelle in Chamuna

Foto: Arbeiten auf der Baustelle in Chamuna

Das Dorf Chamuna liegt in einem Tal auf ungefähr 1.600 m Höhe. Wir nahmen unsere Eimer, Spitzhacken, Schaufeln und Hammer, Schubkarren, Helme, Staubmasken, Schutzbrillen und Wasser. Nach einem kurzen täglichen Meeting arbeiteten wir von 7:30 Uhr bis zur Mittagspause. Es gab keine modernen Maschinen, Kräne oder Bulldozer. Nur ein Team von 35 Leuten und 70 Händen. Zu unseren Aufgaben gehörte: Zement sieben und mischen, Steine mauern, Metallstreben schneiden und biegen, die zwischen den Bausteinen für Erdbebensicherheit platziert wurden. Das Besondere an dieser Konstruktion ist, dass sie im Falle eines Erdbebens nach außen fallen. Wir errichteten aus Erde und Steinen das Fundament für die Schulgebäude. Wir zerhackten riesige Geröllbrocken, und entfernten ein 25 Meter langen und 2 Meter hohen Berg mit Schutt. 8 Stunden harte, körperliche Arbeit bei 30 Grad, in einem Team mit Menschen aus aller Welt und jeden Alters, die hier zusammen kamen, um zu helfen. Wie ich, wollten sie etwas verändern, tatkräftig unterstützen und der Gemeinschaft etwas zurück zu geben, das sie dringend benötigt.

Foto: Das "All Hands"-Helferteam.

Foto: Das “All Hands”-Helferteam.

Eine Woche später war mein Einsatz beendet. Und trotz des fürchterlichen Muskelkaters fühlte ich mich entspannter und frischer als nach vielen anderen Urlauben. Ich bin dankbar, dass ich All Hands unterstützen konnte und dass Medtronic mir diese hilfreiche und wertvolle Erfahrung ermöglicht hat.

Hintergrund:

All Hands ist eine unabhängige Organisation, die sich aus Spenden finanziert und Partner der Medtronic-Foundation ist. Medtronic unterstützt das Freiwilligen-Programm.
Weitere Informationen: https://www.hands.org/

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